Auf in die Weidesaision!

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Weiden nach dem Hochwasser

Das Hochwasser an den Weihnachtstagen 2023 hielt weite Teile Niedersachsens in Atem. Auch viele Reitbetriebe gehörten zu den Betroffenen. Neben größeren Schadensfällen, die aufwendige Reparaturen nach sich ziehen, gab es auch kleinere Schäden zu beklagen. Oft standen Weiden und Paddocks unter Wasser. Doch wie sieht es mittlerweile mit derartigen Schäden aus? Spielen sie zu Beginn der Weidesaison noch eine Rolle? Diese Frage stellten wir Gerd Lange von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. „Der Standortfaktor wird vermutlich in diesem Jahr eine größere Rolle als zuvor spielen“, erklärt er. „Leichte Sandböden trocknen recht schnell ab, nachdem das Wasser abgeflossen ist. Das konnte vielerorts beobachtet werden. Aber in richtigem Moorgrünland, wie es in einigen Teilen Niedersachsens vorhanden ist, sieht die Lage ganz anders aus. Das sind Schwammböden, welche das Wasser erst mit dem Wasserverbrauch der Vegetation in ausreichendem Maße abgeben. Die Grünlandpflege ist dadurch nicht immer rechtzeitig vor dem Weideauftrieb möglich, wenn im Winter – wie in diesem Jahr geschehen – ein derart weitreichendes Hochwasser zu verzeichnen war.“

Gerd Lange empfiehlt daher allen Betroffenen, die Beschaffenheit ihrer jeweiligen Böden zu prüfen.  „Durch das Hochwasser in Mitleidenschaft gezogene Flächen sind sehr weich und nicht trittfest, so dass die zu empfehlende Weidezeit später beginnt und dann mit einer höheren Besatzdichte, weil das Gras schon mehr Massenzuwachs hat“, erläutert er. „So sollten Pferdehalter etwas anders als in normalen Jahren vorgehen. Wenn möglich, sollten derart betroffene Flächen nicht im ersten Aufwuchs beweidet werden und stattdessen ein pflegender Heuschnitt ohne Düngung angestrebt werden.“

Wieder anders sieht es bei Marschflächen aus. Hier gibt es ebenfalls für den Pferdehalter nach dem Hochwasser einiges zu beachten. „Marschflächen sind sehr fest, aber bei starker Schädigung der Grasnarbe auch empfindlich, solange die Krume feucht ist. Tritt- und Fahrspuren sowie Verdichtung der Oberböden sind nur bei gut abgetrocknetem Boden zu vermeiden. Nach sehr langem Überstau mit stark geschädigter oder abgestorbener Grasnarbe sind besonders lästige Wurzelunkräuter häufig noch vital oder nehmen den freien Platz, sprich die vorhandenen Lücken, ein“, so Gerd Lange. Und noch ein Problem gibt es hier zu verzeichnen. „Durch das Hochwasser können sich in Flussauenlandschaften auch Unkrautsamen durch ihre Sämlinge stärker ausbreiten und in den kommenden Jahren deutlich zunehmen. Es ist daher wichtig, hier die Grünlandpflegemaßnahmen inklusive der Nachsaaten jährlich durchzuführen, um Herr beziehungsweise Frau der Lage zu bleiben. Dies ist aber nur bei vollständig abgetrockneter Grünlandnarbe und guter Befahrbarkeit sinnvoll, ansonsten wäre der Schaden durch Fahrspuren und Verschmierung der Blätter größer als der Nutzen.“

Letztendlich rät er aber von Aktionismus ab. „Es gilt vieles abzuwarten. Man muss sehen, inwieweit die Weiden in Mitleidenschaft gezogen wurden. Zu viele Maßnahmen können Folgeschäden verursachen. Dadurch auftretende Kosten sind natürlich insbesondere in der ohnehin kritischen Situation zu vermeiden. Ich rate dazu, die Weideflächen zunächst zu beobachten und langsam vorzugehen. In der Zeit kann man sich um die Zäune in den noch zu feuchten Weideflächen kümmern, ohne Zeitdruck!“

Zukunftsfähige Weiden

Die Weide der Zukunft sollte möglichst artenreich daherkommen. Bei dieser Frage sind sich Tierärzte und Biologen längst einig. Eine Weide, die nur auf „Leistungsgräsern“, wie dem Weidelgras, basiert, ist anfällig gegenüber Trockenheit. Die Folge sind die steppenartigen Bilder, welche wir in den vergangenen Jahren auf zahlreichen Weideflächen erleben mussten.

Welche Arten man genau aussät, spielt im Vergleich zu den Faktoren, die eine gute Grasnarbe auf Pferdeweiden erzeugen, eine fast vernachlässigbare Rolle. Nährstoff-, Faser- und Mineralstoffgehalt sowie Trittfestigkeit, Regenerationsfähigkeit und Narbenschluss hängen beispielsweise von den Standorteigenschaften wie dem Boden und Niederschlag ab, aber auch von der Nutzungsintensität sowie der Düngung.

„Zahlreiche Weiden sind auch ohne Trockenheit bereits überstrapaziert“, gibt Dr. Henrike Lagershausen von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) zu bedenken. „Das kommt in der Regel daher, weil zu viele Pferde auf zu kleiner Fläche weiden. Kommt dann auch noch die sommerliche Trockenheit hinzu, wird es schnell schwierig für das Weidegrün. Zu wenige Ruhezeiten für die Weide bedeutet, dass die Flächen inklusive der Pflanzennarbe immer schlechter regenerieren können.“

Bei der An- beziehungsweise der Nachsaat sollten regionale Saatmischungen verwendet werden, welche an die klimatischen Bedingungen der jeweiligen Region, an die Bodenverhältnisse und natürlich die Bedürfnisse von Pferden – also die passende Zusammensetzung von Ober-/Untergräsern und Kräutern, die trittfest sowie schmackhaft sind und Ertrag generieren – angepasst wurden.

Je artenreicher eine Grasnarbe zusammengesetzt ist, desto besser kommt sie mit den Einflüssen des Wetters wie etwa Austrocknung oder auch Überschwemmungen klar. Auch gegen Verbiss sind einige Gräser und Kräuter robuster als andere. Eine artenreiche Grasnarbe kann besser den ernährungsökologischen Bedürfnissen der Pferde im Hinblick auf lebenswichtige Inhaltsstoffe sowie Schmackhaftigkeit des Futters entsprechen, weil jede Grasart ihr spezifisches Spektrum an Inhaltsstoffen enthält. Sinnvoll ist ein Wechsel von Schnitt- und Weidenutzung einer Fläche, damit die Weide ausreichend Zeit zur Regeneration hat.

Bei langanhaltender Trockenheit sollte man überlegen, die Weide regenerieren zu lassen und die Pferde stattdessen in Ausläufen, Paddocks oder auf anderen Ausweichflächen unterzubringen“, so Dr. Henrike Lagershausen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang die frühzeitige Zufütterung, wenn nicht mehr ausreichend Weidegrün gegeben ist. Von einer abgefressenen Weide nehmen die Tiere viel Sand auf, der wiederum zu Koliken führen kann.

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