Fütterung: Problemlos durch Herbst und Winter

Fotos: Slawik

Die Tage werden kürzer und auch das Gras auf der Koppel wird weniger. Die Futterumstellung für die Pferde sollte im Herbst nicht unterschätzt werden. Worauf geachtet werden sollte und wie den Tieren die Umstellung erleichtert werden kann, verrät die unabhängige Futterexpertin Stephanie Alan.

Abweiden nicht vergessen

Am Ende der Koppelsaison müssen sich die Pferde einer Vielzahl von Herausforderungen stellen. Der Fellwechsel ist noch im Gange, meist stehen dann auch noch die Wurmkuren und Impfungen an und der Verdauungstrakt muss sich auf eine reine Raufutterfütterung umstellen. „Bei jedem Futterwechsel muss sich die Darmflora des Pferdes langsam auf neue Futtermittel einstellen. Der Übergang von dem rohfaserärmeren wasserreichen Grünfutter auf rohfaserreichem Raufutter sollte immer schrittweise erfolgen. Nach etwa 14 Wochen hat sich die Darmflora weitgehend an den Futterwechsel angepasst“, erklärt Alan. Nur wenn der Verdauungstrakt die Chance hat, sich umzugewöhnen, können die im Futter enthaltenden Nährstoffe optimal genutzt werden. Dazu empfiehlt die Expertin eine schrittweise Erhöhung der Rau- und Kraftfutterrationen und im Gegenzug den Koppelgang nach und nach zu reduzieren. „Es ist wichtig, darauf zu achten, dass die Raufutterpausen nicht länger als vier Stunden sind. Sonst droht die Übersäuerung des Magens“, warnt Alan. Außerdem sei es ratsam, die Rationen durch Saftfutter wie Karotten oder Rote Beete zu ergänzen. Doch Heu, Stroh, Heulage und Co sollten den Großteil des Futters ausmachen, umso wichtiger ist es hier auf einwandfreie Qualität zu achten. Schimmel, Pilze und Schädlinge verschlechtern nicht nur die Futterqualität, sondern belasten das Pferd stark und kann in extremen Fällen zu gesundheitlichen Problemen führen. Bei der Fütterung von Heulage ist besonders Acht zu geben, denn bei der Herstellung entstehen biogene Amine, die bei langfristiger Fütterung zu Durchfall und Koliken führen können. Die Verdauung wird noch besser in Schwung gehalten, wenn das Pferd täglich ausreichend bewegt wird. Dies verhindert außerdem das Anschwellen der Beine durch die längeren Stehzeiten in der Box. „Wichtig ist es, darauf zu achten, dass die Pferde genug Flüssigkeit zu sich nehmen, durch den Wegfall des Wassers aus dem Gras können sonst schnell Verstopfungskoliken die Folge sein. Ich würde den Pferden immer mal wieder lauwarmes Wasser aus dem Eimer anbiete. Es können zusätzlich auch Heucobs, Mash oder Rübenschnitzel ergänzt werden“, führt die Futterberaterin aus. Durchfall und Kotwasser sind häufig Anzeichen für eine abrupte Futterumstellung. Sollten Probleme wie Kotwasser oder Durchfall auftreten, können spezielle Ergänzungsfuttermittel zugefüttert werden, die das Wasser im Körper binden und so verhindern, dass Elektrolyte übermäßig ausgeschieden werden. Diese beheben allerdings nicht die Ursache des Problems.

Die meisten Pferde werden im Frühjahr durch ein schrittweises Anweiden an das Gras gewöhnt, aber meist im Herbst abrupt von der Koppel genommen.  Dies sollte aber genauso wie im Frühjahr schrittweise erfolgen, um den Verdauungstrakt genau wie im Frühjahr langsam umzustellen, um Verdauungsbeschwerden, Koliken und Kotwasser zu vermeiden.

Gutes Futter erkennen

Neben der Raufutterhygiene spielen auch die Inhaltsstoffe eine entscheidende Rolle bei der Bewertung der Qualität des Raufutters. Gutes Raufutter hat eine feste Struktur, geringe Staubbelastung, einen angenehmen Geruch und eine kräftige Färbung. „Allerdings sagt dies nicht viel über den Nährstoffgehalt aus. Der Nährstoffgehalt kann mithilfe einer Heuanalyse untersucht werden. Gutes Raufutter ist von vielen Faktoren abhängig wie von den Lagerung- Ernte-, Aufwuchs- und Bodengegebenheiten. Auch die Niederschlagsmenge und der Schnittzeitpunkt lassen den Nährstoffgehalt variieren“, erklärt die Fachfrau. Mehrere Labore bieten Raufutteranalysen an, dabei muss nicht jeder Ballen untersucht werden, einfach eine Probe der neuen Ernte einschicken, reicht meist schon aus, um ein besseres Bild der Nährstoffe zu erhalten. Die ausreichende Versorgung mit Spurenelementen wie Zink und Selen ist für die Gesundheit des Pferdes entscheidend, je nach Region und Bodenverhältnissen kann die Konzentration im Futter stark variieren. Darum sollten diese Mineralien im Bedarfsfall zugefüttert werden. „Im Herbst / Winter sollte ein Mineralfutter mit ausreichend Zink, Kupfer, Mangan, Selen, Magnesium, Vitamin E und B- Vitaminen zur Ration gehören. Ein Schuss Leinöl sorgt für die notwendigen Omega- 3- Fettsäuren. Das Mineralfutter sollte an die tägliche Ration angepasst werden, da ein Großteil des Pferdefutters bereits mit Mineralstoffen und Spurenelementen versetzt ist. Eine Kur mit Flohsamen kann besonders bei Kolik anfälligen Pferden zur Darmsanierung sinnvoll sein. Bei Sportpferden sollte die Ration um Aminosäuren ergänzt werden, da die Proteine im Heu oft nicht ausreichen“, führt Alan aus. Wichtig ist es, darauf zu achten, dass die Pferde niemals gefrorenes Futter verzehren, dies kann schnell zu Koliken führen. Bei Pferden mit empfindlichen Magen-Darm-Trakt kann zusätzlich probiotisches Futter hilfreich sein.

Mehr Futter bei Kälte

Pferde können kalte Temperaturen besser tolerieren als Menschen. Bewegen sich die Temperaturen zwischen -15 und +25 Grad, benötigt das Tier keine zusätzliche Nahrung, um die Körpertemperatur aufrecht zu halten. Fallen die Temperaturen allerdings unter -15 Grad, benötigen die Pferde mehr Raufutter, um ihre Kerntemperatur halten zu können. Während der Verdauung von Raufutter entsteht Fermentationswärme. Der zusätzliche Bedarf liegt zwischen 0,2 bis 2,5 Prozent pro sinkendem Grad Außentemperatur. Schätzungen zufolge liegt dieser während der Wintermonate um bis zu 25 Prozent höher, als in der übrigen Zeit des Jahres. Bei Vollblütern mit feinhaarigem Fell wie etwa Arabern kann der Energiebedarf in dieser Zeit sogar um bis zu 50 Prozent höher ausfallen. Um speziell bei diesen Rassen oder auch bei älteren Pferden ein kältebedingtes Abmagern zu verhindern, kann während der Winterzeit sogenanntes Powerkraftfutter zugefüttert werden. In diesem Zusammenhang sollte dieses einen Energiegehalt von bis zu 14 MJ verdaulicher Energie aufweisen. Bei dickfelligen Robustrassen kann die Zufütterung zur Deckung des Mehrbedarfs geringer ausfallen, da sie durch ihre dickere Unterhautfettschicht besser vor der Kälte geschützt sind. „Die Spannweite ergibt sich aus den individuellen Anforderungen. Gesunde Pferde mit einem dichten Winterfell, die sich in einem optimalen Futterzustand befinden, benötigen erst später eine Zulage als Vollblüter, ältere Tiere, Fohlen, Jungpferde und Pferden mit einem schwachen Immunsystem. Daher ist es wichtig, die täglichen Futterrationen an die jeweilige Arbeitsbeanspruchung, das Alter, die Rasse, das Gewicht und den klimatischen Bedingungen anzupassen“, macht Alan deutlich. Die Pferde sollten für die Nacht genügend Heu übrighaben, damit in den kalten Morgenstunden die Heizung auf vollen Touren laufen kann. Durch Regen und Wind kühlt das Pferd schneller ab, dadurch steigt der Energiebedarf. Dies sollte besonders bei Pferden in Offenstallhaltung bedacht werden.

Stark durch den Winter

Der Herbst kostet den Pferdekörper viel Energie, der Wechsel von warmen Tagen zu kalten Nächsten erfordert ein intaktes Immunsystem. Infektanfällige Tiere neigen in dieser Zeit zu Erkrankungen der Atemwege. Daher sollte auf eine gute Versorgung mit Vitaminen und Vitalstoffen geachtet werden. Um das Pferd im Herbst mit der Fütterung optimal zu unterstützen, sollten nicht nur die Raufutterrationen erhöht werden, sondern auch auf eine bedarfsgerechte Eiweißzufuhr muss geachtet werden. Mit einem Mineralfutter, dass ausreichend Zink, Biotin und Magnesium enthält, ist zudem der Fellwechsel und das Immunsystem unterstützt. Zink dient der Bildung von Keratin und fördert nachhaltig das Wachstum und die Zellteilung der Haare und der Haarwurzeln. Ebenso stärken Hagebutten das Immunsystem und Weißdorn unterstützt den Kreislauf. Mit der Gabe von Thymian und Fenchel werden in dieser kritischen Periode die Atemwege auf natürliche Art geschützt.

Auch im Winter sollten die Pferde jederzeit Zugang zu frischem, sauberen Wasser haben. Da im Winter die Gefahr von zugefrorenen Leitungen besteht, sollten diese täglich mehrfach auf ihre Funktionsfähigkeit kontrolliert werden. Dabei ist es ratsam, regelmäßig auch die Zulaufmenge pro Minute zu überprüfen.

Bei all den Umstellungen, mit denen das Pferd im Herbst zurechtkommen muss, spielt auch die Reduzierung der Bewegung eine wichtige Rolle. In dieser Zeit ist es besonders wichtig, das Pferd angemessen zu bewegen, um die Verdauung und den Stoffwechsel anzuregen.

Bedarf erkennen

Der Bedarf des Pferdes setzt sich aus dem Erhaltungs- und dem Leistungsbedarf zusammen. Der Erhaltungsbedarf gibt die Menge an Futter an, die das Pferd einfach gesagt ohne Arbeit benötigt. Jedes Pferd hat abhängig von Gewicht, Temperament, Rasse, Alter und Haltungsbedingungen einen anderen Erhaltungsbedarf. Zum Erhaltungsbedarf wird dann der Leistungsbedarf addiert. Der Leistungsbedarf richtet sich nach dem Einsatzbereich des jeweiligen Pferdes. Jungpferde und Senioren sollten am besten uneingeschränkten Zugang zu Heu von guter Qualität haben zudem sollte eine ausreichende Versorgung mit Mineralien gegeben sein. Bei Bedarf sollte ein geeignetes Kraftfutter wie Hafer, eiweißhaltige Heucobs und Leinöl mit in die Ration aufgenommen werden. Zudem ist es sinnvoll, die Zähne sowohl beim Jungpferd als auch bei Senioren zum Herbst hin zu überprüfen. „Vorsichtig sollte man bei Senioren mit der Fütterung von Karotten und Äpfeln sein, da diese, wenn sie nicht mehr ausreichend gekaut werden, was schnell zu einer Schlundverstopfung führen kann“, berichtet die Futterberaterin aus ihrer langjährigen Erfahrung, „um die Verdauung zu unterstützen, bietet sich auch hier die Fütterung von leicht verdaulichem Mash an. Zur Förderung der Darmtätigkeit können Leinöl, Leinsamen und Bierhefe eingesetzt werden. Auch können einige Nahrungsergänzung Stoffe wie MSM, Teufelskralle und Ingwer zur Unterstützung des Bewegungsapparates hilfreich sein.“ Besonders bei älteren Pferden sollte im Winter die körperliche Verfassung sorgsam betrachtet werden. Bei ihnen besteht durch das geringe Unterhautfett eine höhere Gefahr des Auskühlens. Hinzu kommt, dass sie die Nährstoffe aus dem Futter schlechter verwerten können. Durch intensives Anfeuchten des Raufutters kann dem entgegengewirkt werden. Außerdem sollten Senioren ihre Tagesration auf möglichst viele kleine Portionen verteilt bekommen.


Tipp der Expertin:
„Viele ältere Pferde trinken zu wenig, was den Elektrolythaushalt aus dem Gleichgewicht bringen kann. Eingeweichtes Futter mit Tee oder Apfel- Möhrensaft können hier ausgleichend wirken.“

 

Mangelerscheinungen durch eine Unterversorgung können sich auf unterschiedliche Weise zeigen. Veränderungen an Hufen, Fell und Haut sind häufig die ersten Anzeigen. Schlechte Hornqualität, ein stumpfes Fell oder schlechte Wundheilung sind nur drei Beispiele. Weitere Anzeichen können auch ein verlangsamter Fellwechsel, eine erhöhte Infektanfälligkeit, angelaufene Beine oder eine gestörte Verdauung sein. Frisst das Pferd Erde oder leckt übermäßig viel an Metallteilen im Stall, sind das ebenfalls Warnhinweise. „Auch Leistungsabfall, Gewichtsabnahme sowie plötzlich auftretende Schreckhaftigkeit können einen ersten Hinweis auf eine Mangel geben. Diese Frühmarker werden häufig im Fellwechsel sichtbar, da in dieser Zeit noch zusätzliche Belastungen wie Wurmkur, Impfung, Futterumstellung auftreten“, weiß Alan.

Lesen Sie als Premium-Kunde den ganzen Artikel
und nutzen Sie viele weitere Vorteile

Ihre Meinung!

comments powered by Disqus

Ähnliche Artikel

Zum Seitenanfang