Ausrüstung und Lederpflege: Bequem für Pferd und Reiter

Ein Mickle, ist darauf ausgelegt, jeglichen Druck auf die empfindlichen Bereiche des Pferdekopfes zu vermeiden. (Fotos: Equipics)

In der Welt des Reitsports spielt die passende Ausrüstung und die richtige Pflege dieser eine wichtige Rolle. Viele verschiedene Formen und Materialien sind mittlerweile auf dem Markt erhältlich. Doch was ist eigentlich neu? Wir geben einen kurzen Überblick über anatomische Trensen, Micklems und Co.

 

Immer mehr Hersteller setzen auf anatomisch geformte Trensen. Diese sollen die Gefahr von Blockaden und Entzündungen im Genickbereich minimieren, Wirbel, Schleimbeutel und Nervenbahnen schonen sowie den Nackenbereich entlasten. Einige Trensen verfügen über ein breiteres Nasenband, um den Druck besser zu verteilen. Bei schmalen Nasenbändern sollte deutlich darauf geachtet werden, dass der Riemen nicht zu eng geschnürt wird. Mit einem geschwungenem Reithalfter garantieren manche Firmen, den empfindlichen Hauptgesichtsnerv des Pferdes und wichtige Venen und Arterien zu umgehen. Der Tragekomfort werde dadurch um einiges erhöht. Besonders beliebt sind die weich unterlegten breiteren Genickstücke mit viel Ohrenfreiheit. Besonders in Kombination mit einem geschwungenen Stirnband vermeiden diese Reithalfter den Druck auf den Augen- und Ohrenbereich. Für eine freie Atmung setzen einige Hersteller auf neu positionierte oder anders verlaufende Sperrriemen. Aber Achtung: Nicht alle anatomischen Trensen sind LPO-konform. Vor dem Kauf sollte sich der Reiter also genauestens darüber informieren.

 

Tipp: Um eine Trense lange am Leben und vor allem geschmeidig zu halten, sollte diese nach dem Reiten von Schweiß und Schmutz befreit werden. Dabei ist es wichtig, dass das Leder nicht mit zu viel Wasser in Kontakt gerät und mit einem weichen Tuch abgetrocknet wird oder an einem schattigen Ort an der Luft trocknen kann. Ansonsten besteht die Gefahr des Austrocknens. Ebenso wie ein Ledersattel sollte eine Trense in regelmäßigen Abständen gefettet werden.

Biothane ist ein lederähnliches Material, aus dem sogar Trensen, Halfter, Kappzäume, Ausbinder, Hilfszügel, Longen, Vorderzeuge und Zügel gefertigt werden können.

Ist die Regen- oder Winterdeckenzeit vorbei, sollten diese vor der Lagerung von Haaren und Dreck befreit und bei starken Verschmutzungen gewaschen werden.

Micklems

 

Eine gute Alternative zu den gewöhnlichen Trensen ist das Micklem. Es zeichnet sich durch vergleichsweise wenig Leder am Pferdekopf aus und soll jeglichen Druck vermeiden. Das Genickstück ist bei den meisten Modellen anatomisch geformt und gewährleistet Ohrenfreiheit. Der Nasenriemen sitzt in der Regel höher als der eines normalen Reithalfters und schont daher den sensiblen Nasenknochen. Somit drückt er nicht auf die motorischen und sensorischen Nerven, die sich in dieser Region des Kopfes befinden. Geschlossen wird dieser Riemen jedoch auf der Höhe des eigentlichen Sperrriemens, damit er keinen Druck auf die Backenzähne des Unterkiefers ausübt. Zudem liegt das Backenstück eines Micklems nicht direkt auf dem Jochbein.

 

Biothane

 

Während Leder nach wie vor das Trendmaterial in der Reiterei ist, greifen immer mehr Pferdebesitzer auf Biothane zurück. Das mit vielen Kunststoffarten ummantelte Polyestergewebe weist eine hohe Reißfestigkeit sowie Stabilität auf. Anders als Leder kann es nicht schimmeln oder verwittern und ist wasserunempfindlich. Es verliert über die Jahre selbst bei Minustemperaturen  nicht an Geschmeidigkeit und ist antibakteriell. Biothane ist auch bei starken Verschmutzungen einfach mit Wasser zu reinigen und nimmt keine unangenehmen Gerüche an. Ein weiterer Vorteil ist, dass das Material in vielen verschiedenen Farben erhältlich sind. Ob Rot, Grün, Blau oder sogar Neonfarben – den Wünschen der Reiter sind keine Grenzen gesetzt. Außerdem ist es UV-beständig. Mittlerweile sind Trensen, Halfter, Kappzäume, Ausbinder, Hilfszügel, Longen, Vorderzeuge und Zügel aus dem veganen Material zu kaufen, doch nicht alle Ausrüstungsgegenstände sind auch LPO-konform. Die Hersteller geben in ihren Produktbeschreibungen oder auf Nachfrage darüber Bescheid.

 

 

Regen- und Winterdecken

 

Ein gewisses Maß an Pflege sollte auch Regen- und Winterdecken zugedacht werden. Lässt die Wasserfestigkeit der Decke nach einer längeren Zeit etwas nach, kann mit Imprägniersprays oder -waschmitteln nachgeholfen werden. Ist die Decke trotzdem einmal stark durchnässt, muss sie vollständig trocknen damit sich kein Schimmel an oder in der Decke bildet. Wer plant, seine Decken nach dem Winter selbst zu waschen, sollte sie vor dem Waschgang vom gröbsten Schmutz und Haaren befreien.

Bei starken Verschmutzungen kann es lohnen, sie über Nacht einzuweichen. Falls vorhanden, kann sie in ein großes Wäschenetz oder einen Bettbezug gepackt werden, um nachfolgende Wäsche zu schützen. Oft reicht aber auch ein anschließendes Leeres spülen der Waschmaschine. Die Waschanweisungen der Hersteller sind jeweils zu beachten, die meisten Decken können aber bei 30 Grad problemlos gewaschen werden. Außerdem sollte immer ein Spezialwaschmittel und kein Weichspüler verwendet werden. Ein zusätzlicher Hygienespüler tötet Bakterien, Viren und Pilze ab. Die Verwendung ist besonders dann zu empfehlen, wenn das Pferd Hautkrankheiten hat. Niemals sollte die Decke geschleudert oder im Trockner getrocknet werden. Während des Waschens bei Modellen mit glattem Innenfutter ohne Abschwitzfunktion oder im Anschluss bei Decken mit Fleeceinnenfutter oder Abschwitzfunktion kann eine spezielle Imprägnierung verwendet werden. Trocknen sollte sie anschließend groß ausgebreitet auf einem Wäscheständer oder einer Wäscheleine.

Wem der Aufwand der eigenen Wäsche zu groß ist, kann seine Regen- und Winterdecken zu einem professionellen Deckenwaschservice zu geben. Die Services verfügen über spezielle Maschinen zum Waschen und Trocknen sowie über ausgesuchte pH-neutrale Reinigungs- und Imprägniermittel. Somit bleibt die Atmungsaktivität erhalten und die Decken wasserdicht. Allergische Reaktionen der Pferde werden vermieden. Auf Wunsch bieten viele Waschservices auch eine Desinfektion der Decken an.

 

 

Kurze Sattelkunde

Worauf kommt es bei der Wahl des Sattels an und wie werden sie eigentlich hergestellt? Sattler- und Feintäschnermeister Tomas Höpfner von HÖPFNER Reit- und Sattelzeuge gibt Antwort.

Das richtige Maß

 

Während bereits beim bloßen Aufliegen auf dem stehenden Pferd einiges erkannt werden kann, sollte ein Sattel bei der Anprobe und beim Maßnehmen auch in der Bewegung betrachtet werden. Er kann im Stehen perfekt zu sitzen scheinen, in der Bewegung kann es aber schon wieder ganz anders aussehen. Nämlich dann, wenn der Rücken aufgewölbt ist und sich die Schulter unter dem Sattel bewegt. Das Kopfeisen, dass im Stand passt, ist in der Bewegung meist zu eng. Es gibt bereits Sättel, die eine Aussparung im Bereich der Schulter haben, um diesem Problem entgegenzuwirken. Und auch der Reiter sollte beim Probereiten genau betrachtet werden. Wie verhält sich der Sattel unter ihm und wie liegt sein Bein? Da ein Sattel perfekt angepasst sein sollte, lassen immer mehr Reiter ihr Exemplar maßanfertigen. Außerdem hat er bei einem maßangefertigten Sattel die Möglichkeit, spezielle Wünsche zu äußern wie zum Beispiel Lage und Höhe der Pauschen, normaler oder extra weicher Sitz, kurze oder lange Strippen sowie die Wahl der Farbzusammenstellungen.

 

Herstellung

 

Die meisten Sättel bestehen aus vegetabil gegerbtem Rindsleder. Das bedeutet, dass das Leder mit Fichten- und Eichenrinde, aber auch beispielsweise Tara-Schoten, Rhababerwurzeln, Quebrachoholz, Mimosarinde oder Olivenblättern in einer speziellen Grube gegerbt wurde. Der Gerbstoff ist also stets pflanzlich. Rindsleder ist das am weitesten verbreitete Leder und kann hoher Belastung Stand halten. Durch den weltweiten Konsum von Rindfleisch mangelt es nie an Rohhäuten und daher ist der Preis im Vergleich zu anderen Lederarten recht günstig. Auch Stiefeletten und Reitstiefel werden häufig daraus gefertigt. Tomas Höpfner erzählt: „Je nach Modell dauert die Herstellung eines Sattels zwischen 30 und 40 Stunden.“ Das Sattelhandwerk sei ein wunderbarer Handwerksberuf. „Leder ist ein unvergleichliches Naturmaterial, das jedoch keine Fehler verzeiht.“ Deshalb müsse immer sehr sorgfältig gearbeitet werden. Der Sattelbaum in der ausgesuchten Größe wird gegurtet und geschliffen – gemäß dem Pferderücken und den Wünschen des Reiters. Dann werden die Modelle für das Sattelkissen und die Sattelblätter angefertigt. Schließlich müssen die vielen Einzelteile zugeschnitten, genäht, gefüllt, geklopft, gespannt, gefärbt und poliert werden. Abschließend erfolgt die Anprobe des maßgefertigten Sattels auf dem Pferd. Erneut im Stand als auch in der Bewegung unter dem Reiter.

Wenn der Sattel ohne Satteldecke auf dem Pferderücken liegt, kann auch ein Laie an gewissen Merkmalen erkennen, dass er nicht richtig passt.

Die Faustregel zur Sattelpflege lautet: Nach jedem fünften Ritt sollte er einmal gründlich gereinigt und gefettet werden.

Änderungen

 

Ein unpassender Sattel – zu kurz, zu lang, zu eng, zu weit – beeinflusst maßgeblich das Wohlbefinden und damit auch die Losgelassenheit des Pferdes. Gleiches gilt für den Reiter: Ist die Sitzfläche beispielsweise zu klein oder sind die Pauschen nicht passen fürs Reiterbein, wird es auch ihm schwerfallen, locker im Sattel zu sitzen. Verändert sich der Körper des Pferdes oder der des Menschen, muss der Sattel neu angepasst werden. „Grundsätzlich sind Änderungen wie die Weite des Kopfeisens und die Polsterung des Sattelkissens möglich“, erklärt Höpfner. „Auch die Überarbeitung der Sattelkissen in Länger, Breite und Höhe sind möglich.“

 

Lederpflege

 

Eins ist sicher: für Geschmeidigkeit und Langlebigkeit benötigt Leder Pflege. Ein trockener, spröder oder sogar rissiger Sattel sieht nicht nur unschön aus, sondern kann auch gefährlich werden. Höpfner rät: „Ein Sattel sollte regelmäßig mit Sattelseife gereinigt und mit Lederfett behandelt werden.“ Die Häufigkeit ließe sich aber nicht pauschalisieren. „Hierbei spielen einige Faktoren wie zum Beispiel Lagerung aber auch Intensität der Benutzung eine große Rolle.“ Eine allgemeine Faustregel besagt, den Sattel jedes Mal nach dem Reiten von Verschmutzungen und Schweiß mit einem leicht feuchten glatten Tuch zu befreien und nach jedem fünften Ritt eine gründliche Reinigung durchzuführen sowie den Sattel zu fetten.

 

Passt mein Sattel?

 

Zeit und Ruhe sind ein wichtiger Faktor. Der Experte sollte den Sattel sowohl im ungegurteten als auch im gegurteten Zustand, im Stand und auch in allen Gangarten unter dem Reiter anschauen. Auch reicht es nicht aus, den Sattel nur auf dem Pferderücken zu betrachten. Ungleichmäßige Sattelkissen, Verhärtungen oder Knoten können nur erkannt werden, wenn das Polster genau kontrolliert wird.

Als Faustregeln für einen passenden Sattel gelten:

  • Der Kissenkanal muss vier Finger breit sein.

  • Widerristfreiheit muss gegeben sein. Ist auch noch genügend Platz, wenn das Pferd den Hals hebt oder Sie im Sattel sitzen?

  • Ist die Schulter frei? Der Sattel darf die Rotation der Schulter in der Bewegung nicht behindern. Es sollte deutlich Luft zwischen Schulter und Sattel sein.

  • Ein Sattel muss nicht im Stand passen, sondern in der Bewegung. Die Rückenlinie hebt sich, die langen Rückenmuskeln wölben sich auf und die Trapezmuskeln zwischen Schulter und Widerrist gewinnen an Umfang. Um den Rücken in der Bewegung zu simulieren, berühren Sie Ihr Pferd unterm Bauch mit dem Zeigefinger, bis es den Rücken deutlich anhebt. Jetzt sollte der Sattel am gesamten Rücken gleichmäßig aufliegen. Brückenbildungen sind am besten zu erkennen, wenn Sie von hinten durch den Kissenkanal schauen.

  • Der Sattel sollte nicht, wie vielfach angenommen, bis zum letzten und damit 18., sondern nur bis zum 16. Brustwirbel aufliegen. Ab dem 15. Brustwirbel kommen sich die Dornfortsätze sehr nahe. Lastet auf diesem Bereich auch ein Teil des Reitergewichts, kann dies zu einer weiteren Annäherung der Dornfortsätze führen – im schlimmsten Fall wären Kissing Spines die Folge. Als Faustregel gilt: Der Abstand zwischen Hüfthöcker und Schweifrübe sollte ebenso groß sein wie zwischen Hüfthöcker und Sattelende.

  • Wo liegt der Sattelschwerpunkt? Er sollte sich genau in der Mitte des Sattels befinden. Wer ihn mit bloßem Auge nicht erkennen kann, legt eine Gerte auf die Sitzfläche – sie wird immer zum Schwerpunkt rollen.    

  • Da sich die Muskulatur des Pferdes mit einem neuen Sattel in der Regel ganz anders entwickelt, sollte der Sattel nach drei Monaten erneut vom Experten in Augenschein genommen und gegebenenfalls erneut angepasst werden.

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