FN-Umfrage zur finanziellen Lage von Reitschulen zeichnet düsteres Bild

 Warendorf  Verbände

Ein Drittel der Reitschulen fürchtet, den Lockdown nicht zu überleben

Ein Drittel der Reitschulen sieht seine Existenz durch den pandemiebedingten Lockdown gefährdet. Dies ergab eine bundesweite Umfrage der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) zur wirtschaftlichen Situation in den Vereinen und Betrieben mit Schulpferden. Wie groß die Not ist, zeigt die Resonanz auf die Umfrage: In Deutschland gibt es 6.100 Reitschulen (3.700 Vereine, 2.400 Betriebe). Mit 2.926 Rückmeldungen hat nahezu jede zweite Reitschule an der Umfrage teilgenommen, darunter 1.110 Vereine.

Die Folgen werden gravierend sein: Ohne Vereine und Betriebe mit Schul- und Voltigierpferden fehlt der Zugang zum Pferd. Die Reitschulen bilden das Fundament des organisierten Pferdesports, sie machen Nachwuchsarbeit, Sportentwicklung und generell den Pferdesport in Deutschland möglich. Schon seit Jahren übertrifft die Nachfrage für Reitunterricht das Angebot. Die Wartelisten dürften in Zukunft noch länger werden. Laut Umfrage sind für 1.100 Reitschulen die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie so gravierend, dass sie Schulpferde abgeben werden müssen. Nach dem Lockdown wird es wahrscheinlich 5.400 Schul- und Voltigierpferde weniger für die pferdebegeisterten Kinder und Jugendlichen geben. Ein für jede Reitschule großer Verlust, denn Schulpferde sind vierbeinige Lehrer, Seelentröster, Sportpartner und Mitarbeiter mit einer wertvollen Ausbildung und Kompetenz, die sich nicht so leicht wiederbeschaffen lässt. Also ein Verlust mit nachhaltiger Wirkung. „Wenn wir das auf alle Reitschulen in Deutschland hochrechnen und es richtig schlimm kommt, werden wir bis zu 11.000 Schulpferde- und ponys verlieren“, macht Thomas Ungruhe, Leiter der FN-Abteilung Vereine, Umwelt, Breitensport und Betriebe, die Dimension noch einmal deutlich.

Die Ursachen: Kein Unterricht, keine Einnahmen, kein Kurzarbeitergeld für Schulpferde. Die Kosten für die vierbeinigen Mitarbeiter laufen aber weiter. Zwar gibt es diverse Förderprogramme, die 82 Prozent der befragten Reitschulen (2.382) auch bekannt sind. Aber nur 44 Prozent (1.282) aller Umfrageteilnehmer hat Unterstützung aus den Corona-Hilfsprogrammen beantragt, 56 Prozent (1.622) der Reitschulen also nicht. Hauptgrund: Die Förderkriterien passen nicht. Also die Reitschulen erfüllen nicht die Antragsberechtigung. Das sagen 1.135 bzw. 70 Prozent der 1.622 Nicht-Antragsteller. Zu komplizierte Anträge verhindern bei 15 Prozent die Antragstellung. Das erklärt auch, warum 10 Prozent sagen, dass sie es noch nicht geschafft haben, den Antrag zu stellen.

Die jüngste Verlängerung des Lockdowns hat die Lage in den Reitschulen nochmals verschärft. Um gegenüber der Politik den Ernst der Lage in den Reitschulen mit Daten zu belegen und die Freigabe für Gruppenunterricht unter Hygienebedingungen zu erreichen und/oder passende Förderprogramme aufzulegen, hat die FN kurzfristig mit dieser Online-Umfrage vom 16. bis 22. Februar die aktuelle Situation in den Reitschule nachweisbar erfasst. In den Landesverbänden Rheinland und Westfalen fand diese Umfrage mit identischen Fragen bereits im Januar statt. Die Umfrageergebnisse aus diesen Landesverbänden sind in den Ergebnissen der bundesweiten Befragung entsprechend berücksichtigt. Die vollständige Auswertung der „Bundesweiten Befragung zur aktuellen Situation der Schul- und Voltigierpferde“ kann als PDF-Dokument unter www.pferd-aktuell.de/schulpferderettung heruntergeladen werden.

(fn-press)

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