Hufpflege - Für einen gesunden Huf

Gesunde Hufe sind das A und O, um ein Pferd langfristig fit zu halten. (Foto: Slawik)

Wie fühlen Sie sich, wenn an ihrem Fuß etwas nicht stimmt und das Auftreten mühselig wird. Ganz genau: Ausgebremst, gehandicapt und selbst, wenn wir uns vorwärtsbewegen können, irgendwie eingeschränkt. Für das Pferd als Fluchttier sind Erkrankungen am Huf (oder Bein) ungleich mehr einschränkend. Von ihrer Natur aus möchten Pferde laufen und schon allein deshalb ist die Gesunderhaltung der Hufe eine der wichtigsten Missionen als Pferdehalter.

Hufbeschlag – ja oder nein?

„Hufbeschlag sollte immer ein Mittel zum Zweck sein, wenn eine Notwendigkeit besteht“, erklärt Jan Gerd Rhenius vom Ersten deutschen Hufbeschlagschmiedeverband e.V. (EDHV).  „Es gibt bestimmte Nutzungsarten, Disziplinen, Fehlstellungen, Hufprobleme und Erkrankungen, die einen Beschlag notwendig und sehr sinnvoll, machen. Die Unterscheidung Zucht-, Freizeit- oder Sportpferd ist völlig irrelevant für diese Entscheidung. Es hängt vom individuellen Bedürfnis von Pferd und Reiter ab.“

Wie stehen die Profis wie Rhenius zur Barhuf-Frage? „Die Rahmenbedingungen der Haltung und Nutzung des Pferdes sollten zunächst für das Barhuflaufen überhaupt geeignet sein“, betont der Experte. „Von einem Boxenpferd, dessen Hufe nie die Möglichkeit bekommen, eine gewisse Widerstandsfähigkeit zu erwerben, sollte man nicht erwarten, dass es barhuf problemlos über Stock und Stein läuft. Gerade hier ist Beschlag sinnvoller.“

Hornqualität, Hufform und Hufwachstum sind entscheidende Kriterien, die man vorab mit Unterstützung eines Experten beurteilen sollten.

Der Experte fügt hinzu: „Die Umstellung auf Barhuf verläuft erfahrungsgemäß einfacher, wenn man nicht direkt von einem Eisenbeschlag auf Barhuf wechselt, sondern eine Übergangsphase mit Kunststoffbeschlägen oder Hufschuhen schafft. Hufe sofort der neuen Beweglichkeit, dem Abrieb und den Bodenreizen auszusetzen, überfordert sie oft.“ In diesem Fall können Erkrankungen oder Verletzungen folgen. Vor allem braucht eine derartige Umstellung also viel Geduld. Gerade bei älteren Pferden oder Pferden, die nach Boxenhaltung und Sport nun im Offenstall leben und freizeitmäßig geritten werden, kann es dennoch einen positiven Effekt haben, auf barhuf zu wechseln.

Alle sechs bis acht Wochen

Insgesamt kommt es bei der professionellen Hufpflege vor allem darauf an, dass sie regelmäßig angewendet wird. „Ein Intervall von sechs bis acht Wochen hat sich als geeignet erwiesen. In Ausnahmefällen können es vier oder zehn Wochen sein. Alles andere ist entweder übertrieben oder nachlässig“, erläutert Rhenius.

Eisenalternativen

Das Eisen als solches wird zwar immer noch von den meisten Pferden getragen. Allerdings sind auch Kunststoffe und Aluminium seit Jahren beliebt.  „Aluminium ist schon lange unverzichtbar im orthopädischen und therapeutischen Bereich, sowie in bestimmten sportlichen Disziplinen. Die Vorteile gegenüber dem Eisen liegen im geringeren Gewicht, der Stoßdämpfung, der Griffigkeit und, außer bei Alu, dem Erhalt des natürlichen Hufmechanismus. Ihre Nachteile sind eine anspruchsvolle Verarbeitung, geringere Vielseitigkeit und ein höherer Preis“, sagt Jan Gerd Rhenius. Kunststoffbeschläge sind nicht nur leicht und stoßdämpfend, sondern erhalten auch die natürliche Beweglichkeit der Hornkapsel. „Natürlich müssen Hufqualität und Gliedmaßenführung geeignet sein, und nicht alle am Markt vorhandenen Modelle haben sich als gleich tauglich erwiesen. Die fachliche Beurteilung und die Verarbeitung sind mindestens ebenso anspruchsvoll, wie bei klassischem Eisenbeschlag“, so Rhenius.

Bei Hufschuhen wird Rhenius ein wenig kritischer. „Sie können Beschlag nur teilweise ersetzen, denn sie schützen nur temporär vor Abrieb und Fühligkeit. Alle anderen Wirkungen und Möglichkeiten von Beschlägen können sie nicht erfüllen.“

Regelmäßige Hufbearbeitung ist ein Muss - so können auch Probleme wie Hufgeschwüre schneller ausgemerzt werden. (Foto: Slawik)

Gesunde Haltung wichtig

Viel wichtiger als viele Pflegeprodukte für den Huf zu nutzen ist laut Experten der regelmäßige Weidegang und Bewegung des Pferdes. Im Stall ist faulige Einstreu fehl am Platze; Hygiene und Misten sind das oberste tägliche Gebot.

Weidegang kann gerade trockenes Hufhorn auch sehr positiv beeinflussen. Trockene Hufe während des Winters stellen noch kein größeres Problem dar, wenn diese ab dem Frühjahr wieder regenerieren können. Dabei ist es aber wichtig, dass die Pferde nachts oder schon frühmorgens durchs feuchte Gras gehen oder auch bei Regen draußen sein dürfen. Schlecht ist dagegen, den Huf kurzzeitig besonders intensiv zu wässern, wie jüngste Studien bewiesen. Dadurch können Teile der Keratinstruktur beschädigt werden. Was jedoch die Feuchtigkeit im Huf erhalten kann, ist laut Ansicht der Experten Lehm. Dieser kann von Baugruben und Plätzen bezogen werden. Er kann mit Essig angemischt auf den Huf gestrichen werden und gibt so nach und nach Feuchtigkeit ab und sorgt für einen sauren pH-Wert, der wiederum Strahlfäule verhindert.

In keinem Fall darf ein Pferd längere Zeit auf matschigen, durchpflügten Weiden oder Paddocks gehalten werden, da sonst die Gefahr fauliger Hufe ansteigt. Wird das Hufhorn durch die Feuchtigkeit brüchig, nimmt es – ähnlich einem Schwamm – immer mehr Wasser in sich auf.

Fütterungsgrundlage muss passen

Dr. Julia Mack, ehemals Fütterungsexpertin am Haupt- und Landgestüt Schwaiganger und mittlerweile selbstständige Tierärztin mit Schwerpunkt Fütterung, erklärt: „Beim Pferd ist es grundsätzlich so, dass der Energiebedarf für die Erhaltung über Raufutter gedeckt werden sollte. Für Leistung darüber hinaus kann der Energiebedarf entweder durch Kraftfutter oder durch Raufutter gedeckt werden.“ Ergänzungsfuttermittel sollten darüber hinaus ganz individuell und mit Expertenhilfe dem Pferd angepasst gefüttert werden.

Vitamine und Mineralstoffe für den Huf

Biotin, auch unter dem Namen Vitamin B7 oder Vitamin H bekannt, ist ein wasserlösliches Vitamin aus dem B-Komplex. Es beschleunigt das Hufwachstum, macht das Hufhorn aber auch weicher. Das Problem schlechter Hornqualität kann damit allein nicht gelöst werden. Das A und O für bessere Hornqualität liegt nicht in der Zufütterung, sondern bei sehr guter Pflege des Hufes und regelmäßigen Korrekturen durch den Hufbearbeiter sowie vor allem täglichem Weidegang.

„Keratin, aus dem Hufhorn gebildet ist, enthält vergleichsweise viele schwefelhaltige Aminosäuren, die über Brückenbildung untereinander für die Festigkeit und Flexibilität der Hufkapsel sorgen. Daher ist es für qualitativ hochwertiges Hufhorn wichtig, dass die Proteinversorgung ausreichend und qualitativ hochwertig ist“, führt Dr. Julia Mack aus. „Das bedeutet, dass das Futter genug vor allem von denjenigen Aminosäuren enthält, die der Körper nicht selbst bilden kann. In aller Regel ist die Versorgung mit schwefelhaltigen Aminosäuren über eine ausgewogene Fütterung mit hochwertigem Raufutter als Basis ausreichend. Zink und Kupfer sind unter anderem in die Synthese von Keratin involviert. Insofern scheint auch eine ausgewogene Versorgung mit Zink und Kupfer im richtigen Verhältnis wichtig zu sein. Studien sind jedoch widersprüchlich hinsichtlich der Frage, ob Zinksupplementierung zu einer Verbesserung der Hufqualität führt.“

Huffett und Öl

Weit verbreitet ist der Einsatz von Huffetten und Hufölen. Doch dieser ist nicht ganz unkritisch zu sehen. Öl und Fett bilden eine undurchlässige Schicht auf dem Hufhorn und lassen so weder zu, dass Feuchtigkeit eindringt noch nach außen gelangt.

Ein eingefetteter Huf sieht zwar schön aus und hat auch in vielen Fällen, beispielsweise bei brüchigen Hufen, eine positive Wirkung. Jedoch kann es bei falschem Einsatz weiches Hufhorn noch weiter aufweichen. Was man beachten sollte: Die Hufe sollten zum Einfetten noch feucht sein und man sollte den Huf nicht extrem scheuern, bevor er gefettet wird. Sinnvoll ist auch ein Einfetten der Hufsohle.

Mittel der Wahl sind etwa Huffette mit Zusätzen wie etwa Lorbeeröl, welches das Hufwachstum obendrein fördert. Das Lorbeeröl kann auch separat am Kronrand, etwa mit einer Zahnbürste, aufgetragen werden.

Eine Lotion oder Cremes auf Wasserbasis ist für den Huf teilweise sogar empfehlenswerter, da sie besonders viel Feuchtigkeit spendet, aber nicht aufweicht und ihn zudem zum Glänzen bringt. Hufbalsam auf Eukalyptus- oder Pinienbasis kann bei gesunden Hufen ebenfalls verwendet werden, um die Hufe nicht spröde werden zu lassen, ihr Austrocknen zu verhindern, aber auch die Feuchtigkeit zu binden und ihnen Elastizität und Widerstandskraft zu verleihen. Arnika-Öl wird bei brüchigen, spröden Hufen empfohlen.

Huffette mit Lorbeeröl fördern das Hufwachstum. (Foto: Slawik)

Öl sollte auf den feuchten Huf aufgetragen werden. (Foto: Slawik)

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