Flucht nach vorn

Wie schön, wenn ein Pferd willig und fleißig vorwärts geht! Es ist doch nichts schlimmer als ein faules Pferd. Gut, heute ist es vielleicht ein bisschen sehr flott, etwas übereifrig – na und?

Wenn es tatsächlich ein Eintags-Phänomen ist, dass das Pferd sich übereifrig zeigt, kann man das hinnehmen. Vielleicht ist es heute besonders windig, so dass das Pferd aufgeregt und etwas nervös ist, oder es herrschen sonst ungewöhnliche Bedingungen. Der Reiter bewahrt die Ruhe, und morgen ist – hoffentlich – alles wieder normal.

Schwierig wird es
, wenn es keine Ausnahme, sondern die Regel ist, dass das Pferd hektisch agiert und dem Reiter eigentlich immer mindestens einen Schritt voraus ist. So ein Pferd versucht ständig, schon im Voraus zu erahnen, was der Reiter wohl gleich möchte. Schon eine leichte Gewichtsverlagerung führt auf diese Weise ungewollt zum Angaloppieren, unbemerkt schleichen sich Seitengänge ein, und stillstehen kann so ein Pferd natürlich auch nicht – denn gleich geht es bestimmt wieder los, wohin will der Reiter, vorwärts, rückwärts, seitwärts? Das wirkt ja sehr bemüht, halt nur etwas unruhig. Aber: Dieses Pferd ist nicht durchlässig, es steht nicht an den Hilfen. In Wirklichkeit hört es dem Reiter nämlich gar nicht zu: Es tritt sozusagen die Flucht nach vorn an. Ehe der Reiter dazu kommt, eine Lektion in Ruhe vorzubereiten und durchzuführen, hat das Pferd bereits mehrere eigene Vorschläge unterbreitet – und zwingt so den Reiter in die passive Rolle. Der Reiter agiert nicht mehr, er reagiert nur noch. Die gesamte Initiative befindet sich unter dem Sattel. Mit so einem übereifrigen Pferd lassen sich kaum die bereits bekannten Lektionen gut reiten, geschweige denn neue Aufgaben erarbeiten. Mit dem Übereifer gehen häufig auch Taktfehler, eine unruhige Anlehnung, mangelnde Losgelassenheit und infolgedessen auch fehlender Schwung einher.

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