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Ein Mann schiebt eine Futterkarre und hält dabei eine Kelle in der Hand.
Foto: HIM/Van Elderen

30.03.2016

Was nix kostet ist auch nix!


Pferde auf die Weide führen lassen, die Box täglich misten lassen, das Pferd vom Stallpersonal Putzen und Satteln lassen – wer Sonderwünsche hat, muss dafür im Pensionsstall extra zahlen. Doch das ist vielen Besitzern ein Dorn im Auge. Schließlich haben sich die Pensionskosten in den letzten Jahren bereits deutlich verteuert. RM-Autor Mario Zittrich präsentiert eine aktuelle Rechnung und erklärt, warum Zusatzleistungen durchaus gerecht bezahlt werden sollten.

Ihre Leidenschaft zu Pferden ist für Ursula Kohlscheidt in den vergangenen 20 Jahren zum mit Abstand teuersten Hobby geworden. Eine Entwicklung, welche die Gymnasiallehrerin so nie erwartet hatte. „Als Studentin habe ich mir damals den Traum vom eigenen Pferd erfüllt und habe mir eine Jährlingsstute gekauft“, erzählt die 46-jährige aus der Nähe von Osnabrück. Wichtig war Ursula Kohlscheidt dabei von Beginn an, dass ihr Pferd in einem Offenstall untergebracht war und auch an Tagen, in denen sie es selber nicht in den Stall schaffte, genügend Weidegang erhielt und vom Stallpersonal auf die Koppel geführt wurde.„1997 habe ich monatlich 400 Mark für die Vollpension bezahlt. Darin waren neben der Offenstallbox mit täglicher Einstreu, drei Mal täglich Kraftfutter und Heu, sowie die Reithallen- und Reitplatz-Benutzung und die Benutzung des Solariums enthalten. Diesen Service bekomme ich heute nicht mehr für unter 500 Euro“, so Ursula Kohlscheidt. Dabei muss bei ihrer inzwischen 20 Jahre alten Stute inzwischen auch immer öfter mal der Tierarzt nach dem Rechten sehen. Kosten, die ebenfalls ein Loch in die Kasse reißen, aber von immer neuen Extra-Kosten im Pensionsstall noch getoppt werden. „Inzwischen gibt es in unserem Stall, in dem ich vom ersten Tag an mit meiner Stute stehe, eine seitenlange Preisliste für zusätzliche Service-Leistungen“, berichtet Kohlscheidt. Während der Führdienst zur und von der Weide bereits seit langem extra vergütet wird, muss inzwischen auch das Eindecken im Winter, das Anlegen von Weidegamaschen, das Auskratzen der Hufe und sogar die Verabreichung von Medikamenten zum Futter bezahlt werden. „Klar: wer ein Pferd hat, muss sich bewusst darüber sein, dass hohe Kosten auf den Halter zukommen, aber die Preisexplosion ist dramatisch und die Versorgung der Pferde durch ungelernte Hilfskräfte nicht wirklich beruhigend“ erzählt Ursula Kohlscheidt von ihren Erfahrungen.


Foto: HIM/ Wentscher

Alternativen gibt es allerdings kaum. Für Roberta Rosenegg ist das keine Überraschung. Die Expertin der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft dokumentiert seit 2014 die Entwicklung bei den Pensionspreisen und den Zusatzleistungen genau. Das Ergebnis: Will ein Stallbetreiber wirtschaftlich arbeiten, muss ein durchschnittlicher Pensionsstall bei 40 eingestellten Pferden derzeit pro Pferd mindestens 437 Euro monatlich an Nettomiete verlangen. „Dabei rechnen wir neben Futterkosten und Einstreu, den Koppelgang, Kosten für Instandhaltung und Abschreibung von Gebäuden und Boxen, das Misten und die Mistentsorgung, Wasser- und Stromverbrauch, Personalkosten und Stallgeräte, sowie Steuern mit in unsere Kalkulationen ein“, erklärt Roberta Rosenegg. So schlagen beispielsweise Futterkosten pro Pferd und Jahr mit 485 Euro zu Buche, die Kosten für Einstreu betragen pro Pferd und Jahr 218 Euro. Für den Koppelgang inklusive Zaunkosten werden 136 Euro angesetzt. Als Berechnungsgrundlage dient übrigens ein Musterbetrieb, keineswegs ein Luxusstall.

Die Personalkosten machen zwischenzeitlich rund 50 Prozent des Pensionspreises aus. Die Einführung des Mindestlohns und immer mehr Angebote an Pferde und Pferdebesitzer, die mehr Personal erfordern, treiben die Kosten in die Höhe. Kosten, die gerechtfertigt sind, wie Roberta Rosenegg findet. „Wer sein Pferd gut versorgt wissen will, der sollte nicht nur auf einen sauberen Stall, eine gepflegte Reithalle, saftige Koppeln und gutes Futter achten, sondern auch auf qualifiziertes Personal“. Das wiederum ist aber nur zu fairen Gehältern zu bekommen. So gehört der Pferdewirt sicherlich zu den besser bezahlten Stallkräften. Allerdings wird jemand, der seine Erfüllung in diesem Beruf findet, dadurch nicht reich werden. Am Monatsultimo liegt der Lohn der meisten Pferdewirte gerade mal so über dem Betrag, ab dem ein Antrag zur Aufstockung gestellt werden kann. Und dennoch finden die meisten Pferdebesitzer in einem Stall mit ausgebildetem Personal ihre Tiere meist besser versorgt. „Weiß man um die Problematik, dass selbst Fachkräften von ihrem Gehalt kaum mehr etwas übrig bleibt, sollten Einsteller einfach mal genau überlegen, ob ihr Stall tatsächlich zu teuer ist, oder ob nicht doch faire Preise angesetzt sind“, erklärt Roberta Rosenegg.

Lesen Sie die ganze Geschichte in Heft 04/2016.

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8 Kommentare verfügbar

Birgit Schnellbach - Ich zahle 150 € pro Monat , und meine Stute steht in einem tollen Stall.
Für zusätzliche Pflege zahle ich gerade 100 € mehr, aber nur , weil ich nicht so viel Zeit habe und sie ist TOP VERSORGT.

Vor 11 Monaten 1 Woche
 

Jutta G - Mein Pferd steht in einem kleinen Offenstall mit schönem Reitplatz. Ein Pferdeparadies. Wir sind drei Frauen mit insgesamt 5 Pferden. Die Pacht für Stall und Weide wie Wald beträgt 600 € im Monat. Den Rest organisieren wir selber. Wir zahlen jeder 180
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Vor 9 Monaten 1 Woche
 

Amalia Baumgartner - Vielen Dank für den Artikel. Auch die Kommentare fand ich sehr interessant. Pferde sind empfindliche Tiere mit verschiedenen Bedürfnissen, vom Heu bis zum <a href='http://www.quarzwerk-baums.de/reitplatzsand.html' > Reitsand</a>
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Vor 4 Monaten 3 Tagen
 

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